Testphase im Zentrum für Multimodale Schmerztherapie in der St. Anna Klinik Löningen

Das internationale Projekt VIREP (Virtual Reality in Pain Management) der Corantis Kliniken GmbH unter der Fragestellung „Kann der Einsatz von VR zu einer Verbesserung der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen beitragen?“ ist inzwischen so weit ausgereift, dass es von Patienten getestet wird.  Dazu bietet sich das Zentrum für Multimodale Schmerztherapie in der St. Anna Klinik Löningen an, denn hier werden viele Patienten mit chronischen Rückenschmerzen behandelt.
Mit Hilfe von bis zu 20  freiwilligen Patienten, die während ihres stationären Aufenthaltes mehrmals wöchentlich die Übungen in der virtuellen Umgebung ausführen, soll derzeit ermittelt werden, ob die Übungen einen medizinisch-therapeutischen Mehrwert für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben. Auch erwarten die Projektverantwortlichen, dass die virtuelle Übungswelt mit Hilfe der Patienten noch weiter optimiert werden kann.


Einer dieser Patienten ist Josef Nording aus Cloppenburg. Schon seit seinem 17. Lebensjahr leidet er – mittlerweile seit über 40 Jahren – an chronischen Rückenschmerzen. Nording, seit längerem in Behandlung bei Dr. Bernhard Birmes, dem Leiter des Zentrums für Multimodale Schmerztherapie der St. Anna Klinik, ist offen für alle Therapien, die sein Leiden in irgendeiner Form verringern können. Dazu gehört das regelmäßige Praktizieren von autogenem Training ebenso wie das Erproben neuer Methoden, wie eben auch der virtuellen Übungswelt. 


Und wie sieht diese virtuelle Welt aus? Nachdem der Patient die VR-Brille sowie Kopfhörer aufgesetzt hat, erhält er zwei Controller als Handersatz und befindet sich auf Knopfdruck in einem virtuellen, bunt gestalteten Eigenheim mit Garten wieder. In den Räumen des Hauses sowie im Garten warten dann die Übungsaufgaben auf den Patienten: u. a. soll im Garten Obst und Gemüse geerntet und anschließend in der Küche zubereitet werden, ein Meditations- und Entspannungsbereich sorgt für Ruhephasen. Während seines ca. 15 Minuten langen Ausflugs in die virtuelle Übungswelt führt der Proband so spielerisch verschiedene Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit ausgeführt. Vom Hinhocken, über das Strecken des Körpers bis hin zur präzisen Ausführung bestimmter Bewegungen reichen die geforderten Bewegungen.
Schon routiniert führt Josef Nording die Übungen durch, ist er doch bereits zum fünften Mal zu Gast in der virtuellen Welt. Zwischendurch und am Schluss gibt er sein Schmerzempfinden auf einer Skala von 0-10 an. Wie alle Probanden beurteilt er anschließend das Übungsprogramm. „Die Übungen sind fesselnd und ich könnte mir vorstellen, sie auch zu Hause weiter durchzuführen“, so Nording. „Allerdings wäre es schön, wenn die Aufgaben dann nicht immer gleich wären, sondern mehr Abwechslung geboten würde.“


Begleitet wird die Projektphase unter Leitung von Corantis-Projektkoordinator Benjamin Kinast neben der Oberärztin und Schmerztherapeutin Dr. Edda Ludwig und Dr. Bernhard Birmes auch von den Physiotherapie-Studenten Marcus Gutmann und Marius Scholten aus Osnabrück. Beide werden ihre von ihrer Professorin Brigitte Tampin betreute Bachelor-Arbeit zum Thema Virtual Reality schreiben und dabei die in der Testphase gewonnenen Daten auswerten. „Für uns ist das ein spannendes Thema, wir interessieren uns sehr für virtuelle Techniken und die Verknüpfung mit der Physiotherapie ist vielversprechend“, erklärt Marius Scholten.
Während in Löningen stationäre Patienten das Projekt testen, erproben die niederländischen Partner dieselbe Übungswelt in Physiotherapie-Praxen mit ambulanten Patienten. Im April erfolge dann die gemeinsame Evaluation der Daten, so Kinast.

Zur Information:
ViReP ist ein Teilprojekt des INTERREG V - Programms „Medizinische Innovation Niederlande-Deutschland (MIND)“. Beteiligt sind fünf weitere Projektpartner (GewiNet, Salt and Pepper GmbH & Co. KG und die niederländischen Partnern Roessingh Research Development und Inmote MedTech).

Bildunterschrift:
Ein Schmerzpatient testet die virtuelle Übungswelt: (v.l.) Benjamin Kinast, Josef Nording, Marius Scholten, Marcus Gutmann und Dr. Edda Ludwig